Ev. Kirchengemeinden Niedereisenbach, Offenbach/Glan  u. Wiesweiler

  Abteikirche      Pfarrei       Jüd.Geschichte     Spolien   Lapidarium Renovierung Orgeln

Die Geschichte der Pfarrei und des Simultaneums in Offenbach , zusammengestellt von der  kath. Pfarrgemeinde St. Peter und Paul :

Die Pfarrei St. Peter und Paul in Offenbach

von Herrn H. Buchen , Hüttenstr. 12, 67749 Offenbach-Hundheim

Die Entstehung der Pfarrei St. Peter und Paul bleibt wohl im Dunkel der Geschichte verborgen. Sicher ist, dass vor der Stiftung des Klosters St. Marien im Jahre 1150 bereits eine Kirche vorhanden war.

Urkundlich belegt ist, dass Erzbischof Heinrich I.  von Mainz im Jahre 1150 die Schenkung des Ritters Rheinfried bestätigt, die aus seinem Hofgut in Offenbach mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie einer Kapelle und den dazu gehörenden Ländereien besteht.

Die in dieser Urkunde erwähnte Kapelle ist als Pfarrkirche einer bereits bestehenden Pfarrei St. Petrus und Paulus anzusehen.  Diese Kapelle war dem Schutzpatronen der Ansiedlung gewidmet, die zum Hofgut des Ritters Rheinfried gehörte. Mit der Gründung des Klosters übernahmen die Mönche die seelsorgerische Betreuung der Pfarrei. Die Pfarrkirche war gleichzeitig Klosterkirche.

Mit dem Bau der eigentlichen Klosterkirche, den Ritter Reinfried in seiner Schenkung bestimmt hatte, wurde erst 70 Jahre später begonnen. Um den Zusammenhang des Klosters St. Marien mit der Pfarrei St. Peter und Paul darzustellen, wurden beim Bau der Klosterkirche offensichtlich die Sandsteinfiguren der beiden Apostelfürsten geschaffen, die zu beiden Seiten des Haupteinganges im Westgiebel der Klosterkirche aufgestellt wurden. Nach der Auflösung des Simultaneums (Vertrag vom 20.04.1882) wurden die beiden Statuen den Katholiken überlassen und befinden sich heute in der Katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul.

Die seelsorgerliche Betreuung der Pfarrei durch die Mönche von St. Marien verlief offensichtlich reibungslos durch die folgenden Jahrhunderte. Ein entscheidender Einschnitt erfolgte durch die Reformation.

Kaiser Friedrich der III. Hatte mit der Urkunde vom 20.Mai.1479, ausgefertigt zu Graz, die Schutzherrschaft über das Kloster St. Marien an den Herzog von Zweibrücken übertragen, um Übergriffen entgegenzuwirken und ein reibungsloses Klosterleben zu gewährleisten.

Das Herzogtum Zweibrücken schloss sich bereits im Jahre 1523 unter Herzog Ludwig II der Reformation an. Nunmehr betrachten die Herzöge von Zweibrücken in der Folgezeit das ihnen bisher als Schutz anvertraute Kloster St. Marien als ihr Eigentum und behindern den Probst massiv in seiner Tätigkeit.

1538 wird in der Klosterkirche der erste reformierte Gottesdienst gehalten durch den der Reformation beigetretenen Pfarrer von Hirsau. Unter dem Druck des Herzogs von Zweibrücken konnte der damalige Probst Johannes de Berne dies nicht verhindern. Damit begann das Simultaneum an der Klosterkirche. Probst Johannes de Berne wird bis 1542 als Probst erwähnt.

Durch den Augsburger Religionsfrieden 1555 wurde verfügt, dass die Untertanen die Religion ihres Grundherren anzunehmen hätten. Wegen der ungeklärten Besitzverhältnisse - Abtei St. Vinzenz - Herzogtum Zweibrücken - sind immer noch eine Anzahl von Katholiken in Offenbach verblieben. Der Abt von St. Vinzenz in Metz hat immer wieder Pröbste und Mönche nach Offenbach entsandt, um seinen Besitzanspruch an den Klostergütern geltend zu machen. In den folgenden 100 Jahren war durch die massive Bedrängnis der Herzöge von Zweibrücken weder ein normales Klosterleben noch eine ordentliche seelsorgerliche Betreuung der Pfarrei möglich.

Der letzte Probst des Klosters St. Marien, Franz Jobal, musste das Kloster aufgrund eines Edikts König Ludwig des XIV von Frankreich vom 22.4.1682 verlassen. Dieses Edikt geht auf Betreiben des Herzogs Christian II von Birkenfeld-Zweibrücken zurück, der dem König ein Heer zur Verfügung gestellt hatte. Nach diesem Edikt wurden alle Güter und Besitzungen des Klosters St. Marien dem Herzogtum Zweibrücken zugeführt. Über das Schicksal der Klosterkirche wurde durch ein erneutes Edikt Ludwig XIV vom 21.07.1684 entschieden. Dadurch wurde sie erneut zur Simultankirche erklärt, jedoch mit gleichen Besitzrechten für beide Konfessionen.

Nachdem mit dem Abzug des Probstes Franz Jobal endgültigen Ende des Klosters St. Marien war auch die seelsorgerliche Betreuung der Pfarrei ST. Peter und Paul nicht mehr gewährleistet. Als ersten Seelsorger nach dem Ende des Klosters sandte der Erzbischof von Mainz im Jahre 1691 den Benediktiner Bonifatius Bayer aus dem Kloster St. Jakob bei Mainz als Seelsorger nach Offenbach. In der Folgezeit wurde die Seelsorger der Pfarrei ohne Unterbrechung fortgesetzt bis zum Jahre 1720.

Der zum Seelsorger der Pfarrei bestellte Pastor Philipp Franziskus Boos aus Bingen nimmt wegen der Bedrängnisse durch den Herzog von Zweibrücken seinen Wohnsitz im ruhigeren veldenzischen Lauterecken. Die seesorgliche Betreuung der Pfarrei in Offenbach erfolgt durch einen Kaplan, der seinen Wohnsitz ebenfalls in Lauterecken hat, jedoch durch die Pfarrei St. Peter und Paul zu unterhalten ist.

Im Jahre 1803 erhielt die Pfarrei einen eigenen Seelsorger. Pastor Heinrich Reitwein wurde als Seelsorger der Pfarrei St. Peter und Paul eingeführt. In der Zeit von 1720-1803 waren insgesamt 34 Kapläne in Offenbach tätig.

Nachdem der jahrhundertelangen Streit um die Klostergüter zwischen den geistlichen und den weltlichen Herren beigelegt war, verlagerten sich Konflikte auf die Gläubigen der beiden Konfessionen. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen diese Streitereien schlimme Formen an. Wegen Geringfügigkeiten wurden die Behörden bemüht. Wesentliche Veranlassung war der Gebrauch der Kirche und das Läuten der Glocken. Um diesem zustand abzuhelfen, wurde Ende Januar 1854 das „Sonntagsgesetz für die Gemeinde Offenbach“ im Evangelischen Schulhaus verkündet. Demnach sollte die Kirche von 8 bis 10 Uhr zum protestantischen und von 10 bis 12 Uhr sowie nachmittags von 2 bis 3 Uhr zum katholischen Gottesdienst gebraucht werden.

Am 19. April 1861 richtete der protestantische Pfarrer Mellinghoff (v 1860-1871 in Offenbach) eine Klageschrift an das Bürgermeisteramt Grumbach als Ortspolizeibehörde. Es ging darum, den Katholiken das „Anläuten“ zu den Sonntagsnachmittagsgottesdiensten zu verbieten, weil das erste Läuten bereits um 1 Uhr erfolgte.

Pfarrer Mellinghoff begründet seine Klage wie folgt: „Die Stunde von 1 bis 2 gehört den Evangelischen, gleichwohl ob wir diese Stunde benützen oder nicht. Vor 2 Uhr dürfen sie weder in der Kirche sein noch an den Glocken.“                             

In seiner Klage bemerkt Pfarrer Mellinghoff, der Bürgermeister möge diese Klage nicht als Kleinigkeit betrachten; denn in diesen Dingen gibt es keine Kleinigkeiten und droht dem Bürgermeister im Falle des Nichtbeachtens seiner Klage gerichtliche Maßnahmen an.

Eine Ausfertigung der Klageschrift wurde Pastor Wald (v. 31.10.53 - 22.12.1861 in Offenbach) übergeben, der im Kopf der ersten Seite den Vermerk anbrachte: „Diese Klageschrift des prot. Pfarrers rief den Vorschlag zur Aufhebung des Simultaneums hervor“.

Es dauerte jedoch noch 20 Jahre bis es soweit war.

Das Gezänke ging unentwegt weiter. Am 20.April.1881 fand eine Besprechung zwischen den katholischen Kirchvorstand und den protestantischen Presbyterium statt zur Klärung der beiderseitigen Übergriffe und um weitere zu vermeiden.

Es konnte jedoch keine Einigung erzielt werden.

Der damalige katholische Pastor Ketter teilte darauf am 15.Mai.1881 Pfarrer Metz mit, dass der katholische Kirchenvorstand beschlossen habe, das Simultaneum endgültig zu beenden und bot der Evangelischen Kirchengemeinde einen Betrag von 12.000 Goldmark an, wenn diese auf ihre Berechtigung an der Simultankirche verzichte. Verlangt jedoch die Ev. Kirchengemeinde, dass die Katholiken ihre Recht abtreten sollen, verlangen sie die gleiche Summe, um eine Grundlage zur Errichtung eines bescheidenen Neubaues zu erlangen.

Die Ev. Kirchengemeinde war offensichtlich nicht bereit, ihre Rechte abzutreten. Erst im Januar 1882 kam Bewegung in die Angelegenheit. Nach vorliegenden Notizen werden verschiedene Vertragsmodalitäten zur Aufhebung des Simultaneums und der Übertragung der alleinigen Besitzrechte an die Ev. Kirchengemeinde in Betracht gezogen.  Es wird von einer Abfindungssumme von 9000 Goldmark ausgegangen. Ein entsprechender Vertag wurde am 20.April.1882 geschlossen. Es wurde vereinbart, dass die Katholiken die Kirche bis zur Fertigstellung ihres Neubaues weiter benutzen können. Danach hat sich offensichtlich das Verhältnis zwischen beiden Konfessionen etwas entspannt, denn in der Folgezeit liegen keine Unterlagen über gegenseitige Übergriffe mehr vor.

Der erste Spatenstich zum Neubau der Katholischen Pfarrkirche erfolgte am 18.Dez.1882. Das  Baugrundstück befand sich bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz der Katholischen Kirchengemeinde. Die Grundsteinlegung erfolgte am 1.Juli.1884. Am Palmsonntag 1886 konnte der erste Gottesdienst in der neuerbauten Kirche gehalten werden, die zu diesem Zwecke provisorisch hergerichtet wurde.

Nach Aufstellung des Hochaltares erfolgte am 9.Juli.1889 die feierlich Konsekration des Gotteshauses durch den Trierer Weihbischof Felten.

In der Folgezeit wurde die Innenausstattung der Kirche weitergeführt, die bis zum Einbau der Orgel durch den Orgelbauer Johannes Klais aus Bonn abgeschlossen war. Das Leben innerhalb der Pfarrei hat sich seit dem Bezug des eigentlichen Gotteshauses erfolgreich weiterentwickelt; zur Pfarrei gehörten 27 Filialen. Die am weitesten entfernte war Ilgesheim mit 8 Katholiken (13,3km), Oberjeckenbach mit 28 Katholiken (12,7 km), Niederalben mit 64 Katholiken (9,3 km).

Am 14.Juli 1917 wurde die größere der beiden Glocken beschlagnahmt, die erst am 19.Januar.1936 wiederbeschafft werden. Sie wurde bereits am 15.März 1940 beschlagnahmt und am 26.Februar.1942 abgeholt.

Die neue Glocke wurde am 9.Oktober.1958 von der Glockengießerei Hamm in Frankenthal gegossen und am 19. Oktober geweiht. Im Januar 1961 wurde die Innenrenovierung der Kirche angeregt. Der Bistumskonservator, Herr Professor Dr. Alois Thomas und der Bistumsarchitekt Craemer nahmen am 13.Januar 1961 eine Besichtigung der Kirche vor. Ihr Vorschlag war, die in neugotischer Holzschnitzerei ausgeführten Altäre (Hochaltar und 2 Seitenaltäre) zu entfernen und durch einen einfachen Mensa-Altar zu ersetzen. Die vorhandenen Figuren sollten weitgehend entfernt und die Ausmalung mit einem einfachen hellen Anstrich überstrichen werden.

Die Gewölberippen, Orgel und Empore wurden mit Ölfarbe betonfarbig überstrichen.                                                                              

Bei sehr vielen Pfarrangehörigen fand der Zustand nach dem Wiedereinzug in die renovierte Kirche keine Zustimmung. Er entsprach jedoch dem damaligen Zeitgeschmack. Der mit Dispersionsfarbe ausgeführte Anstrich war nicht von langer Dauer.

Er musste nach einigen Jahren immer wieder erneuert werden. Inzwischen zeigten sich aus Salpeterschäden im Sockelbereich.

Der Verwaltungsrat beschloss am 29.07.1982 die Trockenlegung des Mauerwerkes durchzuführen. Daraus ergab sich auch die Erneuerung des Innenanstrichs. Erst am 5.August.1985 konnte mit den Arbeiten begonnen werden.

Inzwischen hatte sich der Zeitgeschmack grundlegend geändert. Die Dispersionsfarbe musste abgewaschen werden. Die Arbeiten wurden vom Bistumskonservator überwacht. Beim Abwaschen kam die ursprüngliche Ausmalung wieder zum Vorschein. Es wurde beschlossen, diese wieder vollständig zu restaurieren. Auch Orgel und Empore wurden wieder von der hässlichen, grauen Farbe befreit und in den ursprünglichen Zustand versetzt. Die Arbeiten waren im November 1987 abgeschlossen. Jetzt erstrahlte das Innere der Kirche wieder in dem Glanz, in dem sie von unseren Vorfahren errichtet wurde.

Heute ist das Miteinander der beiden Konfessionen sehr zufriedenstellend. Der heutige Zustand begann bereits Mitte der Sechziger Jahre durch das gute Einvernehmen des katholischen Pastor Becker und des ev. Pfarrer Renk.

Dies wurde auch nach mehrmaligem Wechsel kontinuierlich fortgesetzt und ist bis heute harmonisch weitergewachsen.

Bei dem heutigen Verhältnis der beiden Kirchengemeinden wäre der Bau einer zweiten Kirche erst gar nicht in Erwägung gezogen worden. Man hätte mit Sicherheit die Erneuerung des bestehenden Gotteshauses gemeinsam in Angriff genommen.

oben


Zusammengestellt  von: K.- W. Augenstein, Hauptstr. 74, 67749 Offenbach-Hundheim,  e-Mail

Stand: 13. Januar 2002