Ev. Kirchengemeinden Niedereisenbach, Offenbach/Glan  u. Wiesweiler

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Aus der RHEINPFALZ vom 12. September 2003

Vom Zimmermann bis zum Steinmetz OFFENBACH-HUNDHEIM:

Umfangreiche Sanierungarbeiten an der Abteikirche im Gange

von UNSERER mitarbeiterin rebecca botsch

Gerüst im Oktober 2003

Vom 13. Jahrhundert bis heute ist die Abteikirche in Offenbach-Hundheim prägnanter Bestandteil des Ortsbildes. Im Hochmittelalter erbaut, hat das Gotteshaus, das dem Benediktinerkloster St. Marien angegliedert war, rund 800 Jahre auf dem Buckel. Vom ursprünglichen Kloster haben bis auf die Kirche keine Gebäude die Zeit überdauert. Auch das altehrwürdige Gotteshaus, das in seiner langen Geschichte mehrmals Opfer von  Raubzügen geworden war, ist stark angegriffen.

Waren Pfarrer, Presbyterium und die Kirchenleitung schon vor Jahren zur Erkenntnis gelangt, dass Renovierungsmaßnahmen an einzelnen Bauelementen wohl unerlässlich seien, machte ein Unwetter im Frühjahr den Planern wiederum einen Strich durch  die Rechnung. Der alte Plan, der lediglich kleinere Stellen zur Erneuerung vorsah, musste verworfen und eine groß angelegte Ausbesserung des stark beschädigten Vierungsturms mit in die Planungen aufgenommen werden.

Neben Steinmetzarbeiten sind auch im   Zimmermannsarbeiten und eine neue  Dacheindeckung nötig. Damit die Arbeiten in rund 50 Metern Höhe auch sicher bewerkstelligt werden können, musste ein großes Gerüst her. „Bereits der Gerüstbau war sehr problematisch", schildert der Offenbacher Gemeindepfarrer Johannes Hülser den Verlauf der Arbeiten während der Sommermonate. Basis für das Turmgerüst waren alle vier mit Schiefer eingedeckten Dächer des Querschiffs und der Apsis. Da das Dach eine beachtliche Neigung besitzt, gestaltete sich die Montage des Gerüstes schwierig. Auf  Schieferplatten, die dabei nicht zu Bruch gehen durften, musste die Tonnen schwere Last fest verankert werden. „Eine Aktion, bei der alle ins Schwitzen kamen", meint Hülser.

Zurzeit sind gleich mehrere Firmen mit den Renovierungsarbeiten beschäftigt. Neben Arbeiten an schadhaften Dachsparren, werde man auch um die Ausbesserung des erst 40 Jahre alten Kirchturmkreuzes nicht herumkommen, sagt der Pfarrer. Auch die Außenfassade des Altarhauses hat - trotz ihrer relativ geringen Fläche - massive Schäden erlitten. Mehre Steine müssen erneuert werden. Dazu kommt der Turmhahn, der an mehreren Stel­len Schusslöcher aufweist. Ein Relikt aus dem Weltkrieg? „Nein, da hat sich eher jemand als Scharfschütze geübt. Der Hahn ist erst in der Nachkriegszeit aufs Dach gekommen", entgegnet Hülser und zeigt auf das „Federvieh", das zurzeit im Pfarrhaus untergebracht ist. Da das alte Gotteshaus unter Denkmalschutz steht, mussten bei der Planung der Baumaßnahme sehr viele Vorgaben beachtet werden.

Zwar liegen die Ursprünge des Gotteshauses, mit dessen Bau zwischen 1220 und 1225 begonnen wurde, im Mittelalter, doch sind für das Denkmalsamt auch spätere Bauabschnitte relevant. Hier gelten andere Maßstäbe: Die Gewerke müssen mit den gleichen Materialien ausgebessert werden, wie sie der historischen Bausubstanz entsprechen.

Betrachtet man die noch vorhandene Substanz, stammt ein Großteil aus dem 19. Jahrhundert. Und nach dieser Bauweise muss saniert werden. „Wir hatten die Vorgabe, das marode Dach auch wieder mit Moselschiefer - einer sehr robusten Art - einzudecken", erklärt Hülser. Einst aber sei der Vierungsturm mit einem anderen Material gedeckt gewesen: „Die Mönche haben beim Bau Blei benutzt. Es hatte den Vorteil, dass es fast eine unbegrenzte Haltbarkeit garantierte." Was neben den Kosten ebenfalls eine entscheidende Rolle gespielt haben dürfte. Schließlich baute man für die Ewigkeit. Trotz aller Vorteile, birgt der Stoff einen entscheidenden Nachteil:

Er hält zwar jeder Witterung stand, ist aber nicht sonderlich hitzebeständig. Bei Ausbruch eines Feuers - was in mittelalterlichen Kirchen nicht selten vorkam, da Feuer auch zum Beleuchten und Heizen der Räume notwendig war - konnte das Dach schmelzen und sich auf die Menschen in der Kirche wie ein glühend heißer Regen ergießen. Da geht die Gemeinde heute lieber den sicheren Weg, wenngleich in 80 Jahren wieder eine Ausbesserung des Daches anstehen dürfte.

Die geschätzten Sanierungskosten heute betragen 190.000 Euro. Ein enormer Betrag, bedenkt man, dass die Kirchengemeinde 750 Mitglieder zählt. Jeder musste rund 250 Euro für die Sanierung zahlen. „Unsere Mittel sind im Zuge der Maßnahmen an ihre Grenzen gestoßen und erschöpft", sagt der Pfarrer. Allein der Gerüstbau habe drei Wochen gedauert und Unsummen verschlungen. Neben dem Eigenkapital, das investiert wurde, hat man drei weitere Hauptinvestoren für die Maßnahme gewinnen können. Der Kirchenkreis St. Wendel und die Rheinische Landeskirche sind in die Bresche gesprungen. Auch das Landesamt für Denkmalpflege hat sich bereit erklärt, das Vorhaben zu unterstützen. Und auch vom Bundesministerium für Kultur und Medien gibt es einen Betrag zur Erhaltung der geschichtsträchtigen Kirche.


Aus der Nahezeitung vom 12. August 2003:

Die evangelische Kirchengemeinde Offenbach am Glan lässt den undichten Vierungsturm der Abteikirche neu eindecken

Sanierung ist unerlässlich

Professor plant Rekonstruktion des Gotteshauses

Konsequent ließ die evangelische Kirchengemeinde Offenbach am Glan in den vergangenen drei Jahren die riesige Fassade der Abteikirche erneuern. Und auch dieser Tage verdeckt mal wieder ein Gerüst das historische Bauwerk.

OFFENBACH-HUNDHEIM. Mit Schiefer von der Mosel, einem Gerüst so teuer wie ein Kleinbus und der Hoffnung, dass in "den nächsten 80 Jahren kein Gerüst mehr um die Abteikirche stehen muss" - der Vierungsturm der Abteikirche wird neu eingedeckt. Das war ursprünglich so nicht geplant. Doch als es nach einem Gewitter im Frühjahr stark hinein regnete, sah auch das Presbyterium ein, dass man um eine "handfeste" Sanierung nicht herumkommen würden. Ein Zimmerer und ein Dachdecker kümmern sich seit einigen Wochen um die Arbeit.

Als wenig haltbar erwies sich das Giebelkreuz auf der Spitze der Kirche. Es wurde erst 1963 montiert. Doch es weist schon deutliche Verschleißspuren auf und wird nun ersetzt. "Wir hoffen, dass die nächsten 80 Jahre kein Gerüst mehr an diesem Ort stehen muss", schreibt Gemeindepfarrer Johannes Hülser im Gemeindebrief.

Parallel zur Vierungsturmsanierung ist ein Professor mit Studenten zu Gast in Offenbach. Die Gruppe erforscht das Alter der Steine im Bereich des Altars und des Turms. Professor Untermann hat sich ein weiteres, ehrgeiziges Ziel gesetzt: die erste wissenschaftlich exakte Rekonstruktion des Aussehens der Kirche um das Jahr 1500.

Während in Offenbach die Handwerker in luftiger Höhe ihrer Arbeit nachgehen, Professoren und Studenten forschen, weilt Pfarrer Hülser mit einer Jugendfreizeit in den USA. Der Abflug erfolgte am vergangenen Freitag, die Rückkehr ist für Freitag, 29. August, geplant. Von Huntington bei New York aus erkunden die Vertreter aus der Westpfalz die kirchlichen und weltlichen Errungenschaften in der Neuen Welt.

Pfarrerin Freya Hülser verbringt die Zwischenzeit mit den Kindern bei ihren Eltern in Gießen. Die Vertretung übernahm Pastor Karsch aus St. Wendel. Er ist zu erreichen unter der Telefonnummer 06851/8 00 78 20. Das Pfarrbüro in Offenbach ist momentan nur dienstags und freitags jeweils zwischen 9 und 12 Uhr erreichbar. Bürokraft Elke Glas hält die Stellung. (mk)


Aus der Rheinzeitung vom 7. Juni 2002:

Pfarrer bangt um Landeszuschuss

Haushaltssperre wirkt sich auch auf die Sanierung der Abteikirche in Offenbach aus - 35 000 Euro waren fest eingeplant

Das Finanzierungskonzept der Südschiff-Sanierung der 782 Jahre alten evangelischen Probsteikirche St. Marien ("Abteikirche" genannt) in Offenbach ist just beim Beginn der Arbeiten noch einmal ins Wanken geraten. Denn nachdem die Landesregierung in Mainz eine Haushaltssperre erlassen hatte, fiel der beantragte Zuschuss über 35 000 Euro vom Landesamtes für Denkmalpflege vorerst weg.

OFFENBACH-HUNDHEIM. Exakt 129 432,61 Euro sind veranschlagt für die Sanierung des Südschiffes der Abteikirche in Offenbach. In den vergangenen Tagen wurde das Gerüst um den wuchtigen Bau erstellt. Wenn das mal kein Fehler war, denkt sich derzeit Pfarrer Johannes Hülser (37). 35 000 Euro fest eingeplante Zuschüsse von der Denkmalpflege fallen möglicherweise der Haushaltssperre der Landesregierung zum Opfer.

"Jetzt steht das Gerüst, und ich habe das Geld für die Steinmetze nicht", klagte Hülser im Gespräch mit dem "Oeffentlichen". Doch der Pfarrer kämpft um die Zukunft "seiner" Abteikirche, und so ging am Dienstag ein Schreiben an die Rheinische Landeskirche raus. Er bittet um den entsprechenden Zuschuss aus dem kirchlichen Notfonds Denkmalschutz. Der Pfarrer setzt seine Hoffnungen "auf die herausragende touristische Bedeutung der Kirche". So schätzt Hülser, dass jährlich 500 Menschen in 25 Gruppen an Kirchenführungen teilnehmen. Insgesamt kämen jährlich schätzungsweise 4000 Besucher zur Kirche. Seit dem Draisinenstart im Jahr 2000 sei das Interesse am frühgotischen Bau noch mal gestiegen. Presse, Radio und Fernsehen - sie alle hätten sich schon für die Abteikirche interessiert. Jüngst hielt Präses Manfred Kock seine Osterpredigt in Offenbach. Wenn das mal kein gutes Zeichen ist? Auf Zeichen und Wunder verlässt sich Pfarrer Johannes Hülser jedoch nicht mehr. Er erstellte dieses Finanzierungskonzept:

Kirchenführungen zu fünf Euro pro Person mit Werner Schäfer (Küster), Jens Braun und Helmut Wuff (Presbyter).

Erlebnisabende "Gotik - Auge und Mund": Gemeinsam mit dem angrenzenden Gasthaus die Kombination aus mittelalterlichem Mahl und Kirchenführung anbieten.

Öffnungszeiten von 7 bis 18 Uhr, statt verschlossener Türen. Verkauf von Druckschriften des Presbyteriums.

Öffentlichkeitsarbeit und Internet-Eigenwerbung, innovative Kirchenmusik, Werben um Spenden von Unternehmen und Privatpersonen.

Im Jahr 2000 wurde das Nordschiff für rund 200 000 Mark erneuert. Bis die Fassade und das Dach der Probsteikirche St. Marien komplett erneuert sind, seien 400 000 Euro zu investieren, rechnete Johannes Hülser aus. In der Kirche seien die Ölheizung, der Kamin und mehrere Kirchenfenster zu erneuern. (mk)

Die evangelische Kirchengemeinde besteht aus Protestanten aus den Orten Offenbach, Wiesweiler und Niedereisenbach. Sie hat derzeit knapp 750 Mitglieder, Tendenz leicht sinkend, überwiegend durch Wegzug. Seit dem Jahr 1994 ist Johannes Hülser gemeinsam mit seiner Frau, Pfarrerin Freya Hülser, hier seelsorgerisch tätig.

Neu: Laut Gemeindebrief Nr. 6 von  2002 wurde der Zuschuss vom Landesamt für Denkmalpflege nun doch in letzter Minute gewährt !


Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen - Die Renovierung der Abteikirche

Der erste Bauabschnitt ist abgeschlossen. Der kränkste Patient war das Nordschiff (der Teil, der in Richtung der katholischen Kirche zeigt). Er ist zwar nicht „wie neu", aber für sein 700jähriges Alter geht es ihm entsprechend gut.

Der nächste Patient ist das Südschiff. Auch hier haben die Schieferplatten schon gähnende Löcher. Die Bretter, auf die sie genagelt sind, sind vielfach schon durchgefault. Der Regen läuft in den Sandsteingiebel. Jeder, der von der Klosterstraße auf der Kirche sieht, kann die feuchten Stellen und die Ausblühungen vom ausgewaschenen Salz sehen.

Das Problem ist wie immer die Finanzierung. Ein großer Zuschuss der Bundesregierung ist schlicht gestrichen worden. So können wir dieses Jahr nur kleinere Maßnahmen unternehmen.

Die Gemeinde selbst ist bis zur gesetzlich erlaubten Obergrenze verschuldet. Landrat Dr. Hirschberger hat zwar versprochen, sich für 2002 um Geld zu bemühen, aber es ist noch keine Zusage eingetroffen. Selbstlos hat sich der Kirchenkreis St. Wendel für uns eingesetzt.

Wir hoffen dennoch, im nächsten Jahr das Südschiff sanieren zu können.

Ein großen Dank an alle, die durch ihre Spenden bei der bisherigen Sanierung mitgeholfen haben!

Quelle: Gemeindebrief Mai bis September 2001


Aus der Rheinzeitung vom 3./4. März 2001:

 Bericht RZ vom 3./4. März 2001

   

Link zum Thema: Neuer Förderverein will alte Kirchen erhalten helfen
Unterstützung für Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler
(15. September 2000)


Stand: 17. Oktober 2003