Die Landessynode, oberstes Entscheidungsgremium der Evangelischen Kirche im Rheinland, tagt vom 11. bis 16. Januar in Bad Neuenahr. Abendmahl, Finanzen und Verkleinerung von Gremien, hauptberufliches Superintendentenamt und kirchliches Arbeitsrecht – das sind nur einige der Themen dieser 53. ordentlichen Tagung mit ihren 244 stimmberechtigten Mitgliedern.

  

Landessynode 2004 Blick ins Plenum ( Bild EKiR )

 

Jeder und jeder ist zum Abendmahl geladen

 

In der rheinischen Kirche darf niemand vom Abendmahl ausgeschlossen werden. Das hat die Landessynode 2004 bekräftigt. Damit zieht die Evangelische Kirche im Rheinland die Konsequenz aus der ersatzlosen Streichung der "Kirchenzucht-Artikel“ in der Kirchenordung im Jahr 1996. „Darf die Kirche vom Mahl des Herrn ausschließen?“ heißt das Papier, das die Synode angenommen hat – und sozusagen mit Nein beantwortet.

Zum Hintergrund: Für viele Christinnen und Christen ist das Abendmahl die zentrale Feier in ihrem Glaubensleben. Hier wird Gemeinschaft mit Gott und anderen Gläubigen sowie Sündenvergebung erfahren. Für viele ist die Feier des Abendmahls ein ganz besonders heiliger Augenblick, der geschützt werden muss.

So entstanden in der Geschichte Regelungen, wie eine unangemessene Teilnahme am Abendmahl ausgeschlossen werden könne. Im Mittelalter wurde unter anderem deshalb die „Kirchenzucht“ entwickelt. Aus der positiven Absicht, das heilige Abendmahl vor unangemessener Teilnahme zu schützen, entwickelte sich in einigen Gemeinden auch ein Missbrauch. Unliebsame Mitglieder konnten mit der Berufung auf die „Kirchenzucht“ vom Abendmahl ausgeschlossen werden.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat das Instrument der Kirchenzucht 1996 aufgehoben. Nun wird mit Berufung auf das Neue Testament und das Vorbild Jesu auch konsequent der Ausschluss vom Abendmahl abgelehnt. Jesus hat mit Sündern und Randgruppen der Gesellschaft zusammen gegessen und gefeiert. „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh 6,37). Hier wird ein zu tiefst evangelisches Verständnis greifbar. Zum Abendmahl sind nicht die Reinen, Guten, Erlösten geladen, sondern die Mühsamen und Beladenen, die erst durch Gottes Gnade Erlösung erfahren.

Gott nimmt alle Menschen an, wie sie sind, aber er lässt sie nicht wie sie sind. Die Buße, die Umkehr ist nicht Bedingung der Sündenvergebung, sondern die „Frucht“ und fröhlich Folge. Diese theologische Einsicht wird konsequent auf die Feier des Abendmahls übertragen. Alle sind an den Tisch des Herrn eingeladen, egal welcher Konfession und welcher Lebenssituation sie stehen. Nur jeder selbst kann sich dieser Einladung verschließen.

Dieses Abendmahlsverständnis erlaubt es auch, dass in Rheinland Kinder das Abendmahl mitfeiern dürfen. Noch kann jede Gemeinde dies in der Praxis unterschiedlich handhaben.

Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland ist nun durch den Beschluss beauftragt, ihre Position in ökumenischen Gesprächen mit anderen Kirchen darzulegen, da gerade in katholischer, orthodoxen, aber auch freien Kirchen teilweise ein anderes Verständnis des Abendmahls vorherrscht. Abendmahlsgemeinschaft hat die rheinische Kirche mit den Kirchen der Leuenberger Konkordie, der Evangelisch-methodistischen Kirche, den mennonitischen Gemeinden und der United Church of Christ in den USA und Kanada. (EKiR.de, 15.1.2004)

 

 

 

Landessynode 2004

 

„Ordination, Dienst und Ämter nach evangelischem Verständnis“ bestätigt das Priestertum aller Gläubigen

 

In der Kirche gibt es nur einen Dienst, aber viele verschiedene Ämter. Das ist die Grundaussage in dem Papier „Ordination, Dienst und Ämter nach evangelischem Verständnis“, das die Landessynode 2004 fast einstimmig angenommen hat. Damit ist ein klare Definition von Dienst und Ämtern in Anlehnung an die Barmer Theologische Erklärung aus dem Jahr 1934 vorgenommen worden. Demnach ist jede Christin und jeder Christ durch die Taufe in den einen Dienst berufen, Gottes Wort weiterzugeben und Nächstenliebe zu üben.

„In diesem Sinne sind alle Priester, berufen zu  Dienst am ‚Heiligtum’ des Wortes Gottes.“ Daneben braucht es aber auch spezielle Ämter in der Kirche, die organisiert und institutionalisiert werden müssen. Damit ist nicht nur das Pfarramt oder das Lehramt gemeint. Auch Kirchenmusikerinnen, Küster oder Jugendmitarbeitende haben ein solches Amt inne.

So wie das Verhältnis von Dienst und Ämtern, ist auch das Verhältnis von Taufe und Ordination zu verstehen. Die Ordination vermittelt keine höhere Weihe gegenüber der Taufe, sondern ist dieser untergeordnet. Sie ist aber notwendig, damit einzelne besonders fähige Gemeindemitglieder in ein Amt berufen werden können und öffentlich dazu stehen. Es geht dabei nicht um die Berufung in eine konkrete Arbeitsstelle, sie bleibt aber für bestimmte Ämter – zum Beispiel das Pfarramt - Voraussetzung. Wer ordiniert ist, wird dazu berufen, das Wort Gottes öffentlich zu verkündigen, zu taufen und Abendmahlsfeiern zu leiten, um so die kirchliche Gemeinschaft aufzubauen.

Es gibt drei Wege zur Ordination: Theologiestudium mit Vikariat, ehrenamtliche Ausbildung zur Predigthelferin oder Predigthelfer und schließlich die zusätzliche theologische Ausbildung für kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zum ordinierten Dienst führen kann. Das ist eine Betonung des Priestertums aller Gläubigen, weil allen Gläubigen der Weg zur Ordination frei ist. Die Leitung des Abendmahls durch nicht Ordinierte bleibt eine Ausnahme in der rheinischen Kirche. Hier bleibt die letzte Verantwortung immer bei Ordinierten.

Konsequenzen aus diesem Verständnis von Dienst und Ämtern ergeben sich viele: Ordination bedeutet nicht gleich Pfarramt. Es kann auch ehrenamtlich Ordinierte geben: beispielsweise Predigthelferinnen oder Pastoren im Ehrenamt. Der Dienst der Ordinierten steht in apostolischer Tradition, braucht aber nicht eine ununterbrochene Weihekette, die sich angeblich bis zu den Aposteln zurückverfolgen lässt. Für die apostolische Tradition genügt, dass der Dienst ganz im Sinne des Evangeliums verstanden wird und sich so auf seinen Ursprung bezieht.

Auch aus dem Evangelium heraus begründet sich die Ordination von Frauen. Die Frauenordination gilt nach rheinischer Vorstellung als unverzichtbares Element des einen Dienstes. In der Kirche darf der Unterschied der Geschlechter für geistliche Ämter nicht von Bedeutung sein. Im Leib Christi darf es keine Bevorzugten oder Benachteiligten geben.

Das gilt auch für organisatorische Hierarchien. Wenn es nur den einen Dienst und nur eine Ordination gibt, kann es keine übergeordneten Ämter geben. Ein Bischofsamt in diesem Sinne ist abzulehnen, so die rheinische Kirche. Es kann allerdings Ämter geben, die bischöfliche Funktion übernehmen – in der rheinischen Kirche Superintendent und Präses. Diese sind aber nicht wertvoller oder wichtiger für die Verbreitung des Evangeliums als andere Ämter. (EKiR.de, 14.1.2004)

 

 

 

Landessynode 2004

 

Geteiltes Amt

 

Nach langer und heißer Diskussion hat die Landessynode 2004 beschlossen, dass zukünftig das „Geteilte Amt“ eine feste Einrichtung in der Evangelischen Kirche im Rheinland werden soll. Seit 1998 gibt es probeweise das „Geteilte Amt“ in drei Gemeinden in Duisburg und im Oberbergischen Land.

Im „Geteilten Amt“ arbeitet ein Team aus Theologinnen und Theologen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Diakonie, Pädagogik und Sozialarbeit. Alle sind in Aufgaben, Pflichten und Rechten gleichberechtigt. Alle sind theologische und seelsorgliche Ansprechpersonen für die Gemeindemitglieder.

In der Kirchengemeinde Obermeiderich in Duisburg betreuen zum Beispiel zwei Pfarrer und ein Pädagoge gemeinsam drei Pfarrbezirke, in Derschlag sind es ein Pfarrehepaar und ein Gemeindereferent. In Rheinhausen im Kirchenkreis Moers arbeiten zwei Pfarrer und eine Diakonin im "Geteilten Amt".

In der Diskussion auf der Landessynode wurden zwei Bewertungen des „Geteilten Amtes“ deutlich. Die eine Seite lobte die innovative Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen mit unterschiedlichen Qualifikationen. Hier werde eine Kultur des Zusammenarbeitens in Gemeinden eingeführt, die befruchtend für die ganze Kirche sein könne.

Die andere Seite dagegen befürchtet, dass mit dem „Geteilten Amt“ ein Sparmodell zur Kürzung von Pfarrstellen entstehe. Dort wo eine ganze Pfarrstelle zu teuer für eine Gemeinde ist, könne dann diese durch eine billigere andere Personalstelle ersetzt werden.

Schließlich konnten sich die Befürworter durchsetzen, zu denen auch Oberkirchenrat Jürgen Dembek gehört. Er betonte, dass für ihn das Konzept des Geteilten Amtes die konsequente Fortführung des Verständnisses von Ordination, Dienst und Ämtern sei, das die Synode wenige Stunden vorher beschlossen hatte. Landeskirchenrätin Katja Wäller zog ebenfalls eine direkte Linie zwischen den beiden Beschlüssen. Sie glaubt, dass die Nicht-Theologinnen und -Theologen im „Geteilten Amt“ bald auch ordiniert werden könnten.

Die Kirchenleitung ist nun gefordert, die gesetzlichen Voraussetzungen für das „Geteilte Amt“ vorzubereiten, damit sich Gemeinden für dieses Modell entscheiden können. (EKiR.de, 14.1.2004)

 

 

 

Landessynode 2004

 

Kontinuierlich rückläufige Finanzen

 

Für das Jahr 2004 rechnet die Evangelische Kirche im Rheinland mit einem Rückgang des Kirchensteueraufkommens um 12,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das erklärte Oberkirchenrat Georg Immel in seinem Finanzbericht an die Landessynode 2004. Dies Aufkommen bezieht sich auf alle 813 Gemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR). Fehlendes Wirtschaftswachstum, demografisch bedingter Mitgliederrückgang und die Auswirkungen der Steuerreformen seien die Ursachen für die schlechtere finanzielle Lage der Kirche. "Nach den jetzigen Rahmenbedingungen" müsse damit gerechnet werden, dass die Kirchensteuereinnahmen mittelfristig jährlich um mindestens einen Prozentpunkt zurückgehen, so Finanzdezernent Immel.

Die Gemeinden zahlen für die landeskirchlichen Aufgaben eine Umlage von 10,25 Prozent. Vor einer Verringerung dieses Anteils - von fünf Kirchenkreisen gefordert - warnte Immel. Er erinnerte daran, dass die Umlage unabhängig vom Steueraufkommen ist. Die Landeskirche spare "in der Schärfe", in der auch Kirchengemeinden und Kirchenkreise sparten.

Wie schon Präses Nikolaus Schneider in seinem Präses-Bericht kritisierte auch Immel die Landeskürzungen. In "bisher nicht erlebtem Umfang" stehe nun die Zukunft der gemeinschaftlichen Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben in Frage, sagte Immel. Unter den Aufgaben, "die wir für den Staat wahrnehmen", nannte Immel die auch die Mehrbelastungen für die Kirchengemeinden in NRW durch die Kürzung der Sachkostenzuschüsse zur den Kindertageseinrichtungen, den "besonders gravierenden Einschnitt" im Landesjugendplan sowie die drohenden Kürzungen bei den Lebensberatungsstellen. Bei all diesen Refinanzierungen gehe es um Aufgaben, die ohne kirchliches Engagement als Daseinsvorsorge vom Staat selbst gewährleistet werden müssten, argumentierte Immel.

Nach dem Finanzbericht und einer Aussprache darüber nahm die Landessynode 2004 den Haushalt 2004 an. Der Haushalt für die landeskirchlichen Aufgaben 2004 hat ein Volumen von knapp 80 Millionen Euro. Der Haushalt im Vorjahr umfasste noch 87,5 Millionen Euro. Der Haushalt 2004 enthält ein Defizit von 6,7 Millionen Euro, das durch Sparen, Rücklagenentnahme oder Übertragung von Überschüssen im Vorjahr ausgeglichen werden soll. (EKiR.de, 15.1.2004)

 

 

 

Landessynode 2004

 

Superintendenten weiter nebenamtlich

 

Nach langer Diskussion hat die Landessynode 2004 die Hauptamtlichkeit von Superintendentinnen und Superintendenten abgelehnt. Die Vorsitzenden der 46 Kirchenkreise werden folglich wie bislang neben ihrer Pfarrstelle ihren Kirchenkreis leiten.

Im Vorfeld wurde dieses Thema ausführlich beraten. Kirchengemeinden und Kirchenkreise waren befragt worden. Die verschiedenen Ausschüsse hatten dazu ihre Voten abgegeben. Der theologische Ausschuss war stark gegen, der Ausschuss für Kirchenordung und Rechtsfragen bedingt gegen Hauptamtliche im Superintendentenamt. Befürwortet wurde dies dagegen vom innerkirchlichen Ausschuss und vom Finanzausschuss.

Die Landessynode entschied sich dann knapp gegen eine neue Regelung. Somit wird es in der rheinischen Kirche auch weiterhin nur nebenamtliche Superintendentinnen und Superintendenten geben. Sie sollen allerdings mehr Entlastung erfahren.

 

 

 

Landessynode 2004

 

Kirche öffnet ihr Arbeitsrecht

 

Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) wird ihr - vom Staat unabhängiges - Arbeitsrecht ein Stück weit öffnen und mit Gewerkschaften über eine Mitarbeit verhandeln. Das hat die Landessynode 2004 beschlossen. Um die Mitarbeitenden-Seite zu stärken, wird die EKiR auf der Basis des Beschlusses Gespräche mit Gewerkschaften wie ver.di aufnehmen, ferner auch mit anderen Landeskirchen, Diakonischen Werken und Mitarbeitervertretungen. Allerdings werden Kirche und Diakonie ihr eigenständiges Arbeitsrecht nicht aufgeben. Dies firmiert unter dem Begriff Dritter Weg und schließt Tarifvertrag, Streik und Aussperrung aus.

In welcher Form die Arbeitnehmer-Seite - bei Kirche Dienstnehmer-Seite genannt - gestärkt wird, dazu gibt die Landessynode drei Vorschläge, die jetzt verhandelt werden können. Jeweils geht es um die stärkere Beteiligung von Gewerkschaften. Bei dem weitestgehenden Vorschlag würden beispielsweise Gehaltsregelungen nicht mehr nur von der kirchlichen, paritätisch besetzten "Arbeitsrechtlichen Kommission" entschieden, sondern zusätzlich an die Zustimmung der beteiligten Verbände gebunden. (EKiR.de, 14.1.2004)

 

 

 

Landessynode 2004

 

Predigthelfer werden zu Prädikanten

 

Predigthelferinnen und Predigthelfer werden in der Evangelischen Kirche im Rheinland künftig die Bezeichnung Prädikantin oder Prädikant tragen. Diese von der Landessynode 2004 beschlossene Bezeichnung soll deutlicher machen, welchen Dienst diese ordinierten Gemeindeglieder in der öffentlichen Verkündigung tun: Prädikant heißt übersetzt Prediger. Überdies gleicht die rheinische Kirche damit die Bezeichnung an die Benennung in vielen anderen evangelischen Kirchen und in einigen europäischen Kirchen an. Mehr als 500 Prädikantinnen und Prädikanten tun in der rheinischen Kirche ihren Dienst. Nach einer zweijährigen Vorbreitungszeit werden die ehrenamtlich tätigen Männer und Frauen, die in der Regel keine volle theologische Ausbildung haben, ordiniert. Neben der Predigt gehören auch Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Bestattungen sowie die Leitung der Feier des Heiligen Abendmahls zu ihren Aufgaben. (EkiR.de, 15.1.2004)

 

 

 

Landessynode 2004

 

Erntedank konkret: Schöpfungszeit

 

Die Schöpfung bewahren, die bäuerliche Landwirtschaft daheim und für Kleinbauern in Afrika, Asien und Lateinamerika stärken und etwas für das eigene Gesundheitsbewusstsein tun - das waren nur einige Beweggründe der Kreissynoden Altenkirchen, Kleve und Moers für ihren Antrag an die Landessynode, eine  „Schöpfungszeit“ einzurichten. Nicht nur am Erntedankfest soll an die Segnungen erinnert werden, die die Menschen Gottes Schöpfung zu verdanken haben. Die Landessynode 2004 unterstützt die Anliegen der Antragstellerinnen, die Freude an Gottes Schöpfung und den verantwortlichen Umgang mit ihr tiefer im Leben der Gemeinden zu verankern. In ihrem Beschluss ermutigt sie die rheinischen Kirchengemeinden und Kirchenkreise, schon in diesem Jahr 2004 Modelle einer „gestalteten Schöpfungszeit“ zu erproben – wo immer möglich in ökumenischer Gemeinschaft.

Ideen zur Gestaltung der Schöpfungszeit gibt es schon viele: gemeinsame Aktionen mit der heimischen Landwirtschaft und engagierten Unterstützerinnen und Unterstützern des Fairen Handels und des Agenda-21-Prozesses - vom gemeinsamen Schlemmerfest mit örtlichem Bauernmarkt über Kaffeetafeln mit Eine-Welt-Initiativen, Informationsveranstaltungen zu Themen wie „Gesunde Ernährung“ und „Fairer Handel“ bis hin zu ökumenischen Erntedankandachten. Auch gibt es den Vorschlag einer vierwöchigen „Schöpfungszeit“ mit Eröffnungsveranstaltung und ökumenischem Erntedankgottesdienst. (EKiR.de, 15.1.2004)

 

 

 

Landessynode 2004

 

Namibia: Bundesrepublik muss sich entschuldigen

 

Die Bundesregierung soll sich im Namen Deutschlands für den Völkermord vor 100 Jahren im heutigen Namibia entschuldigen. Dies verlangt die Evangelische Kirche im Rheinland; die Landessynode 2004 nahm diese Forderung in ihrem Beschluss „Erinnern, versöhnen, gemeinsam Zukunft gestalten. 100 Jahre Beginn des antikolonialen Befreiungskrieges in Namibia“ auf. Am Jahrestag des Beginns des antikolonialen Befreiungskriegs in der einstigen deutschen Kolonie Südwestafrika, am 12. Januar, hatte Oberkirchenrat Wilfried Neusel gemahnt: „Die Bundesregierung muss sich der Geschichte stellen und sich endlich entschuldigen.“ Am 12. Januar 1904 begann der antikoloniale Widerstand gegen die deutsche Zwangsherrschaft. Rund 90.000 Herero, Damara und Nama überlebten den Völkermord, der 1908 endete, nicht. Fachleute bezeichnen den Krieg als ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.

Die bisherige Haltung der Bundesregierung nennt der Oberkirchenrat eine „Unverblümtheit des Zynismus“. Bundesaußenminister Joschka Fischer hatte im Oktober 2003 bei einem Besuch in Namibia eine Entschuldigung für den Genozid an den Völkern der Herero, Damara und Nama abgelehnt, weil sie „entschädigungsrelevant“ sei. Man werde „nicht zu Geiseln der Geschichte“, hatte Außenminister Fischer mitgeteilt. Zum Jahrestag hat das Auswärtige Amt eine "Erklärung" abgegeben, in der es Fragen von Entschuldigung und Entschädigung ausspart und darauf hinweist, dass Namibia den pro Kopf höchsten Anteil deutscher Entwicklungshilfe in Afrika erhält. Die Inaussichtstellung von zusätzlicher Entwicklungshilfe wertet Oberkirchenrat Neusel als bloßes „Beruhigungsmittel“. Zum Stichwort „Geiseln der Geschichte“ ist der Theologe überzeugt: Solche will auch Gott nicht. Allerdings würden Täter von der Last der Vergangenheit „nicht zum Nulltarif“ frei. Die Opfer des deutschen Vernichtungskriegs und ihre Nachkommen hätten ein Anrecht auf Gerechtigkeit – und damit auch auf Entschädigung.

Die frühere Rheinische Missions-Gesellschaft, eine der Vorgängerinstitutionen der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), deren Mitglied die rheinische Kirche ist, hatte seit 1842 in Namibia gearbeitet und sich während Krieg und Völkermord in einer zwiespältigen Rolle verstrickt. Denn die Rheinische Missions-Gesellschaft, eigentlich in Diensten der Gemeinden der einheimischen Bevölkerung, arbeitete mit den deutschen Kolonialbehörden zusammen. So sammelte sie zum Beispiel Überlebende, die dann in Konzentrationslagern der Kolonialregierung interniert wurden. Ein großer Teil der Gefangenen starb in den Lagern. 1990, zur Unabhängigkeit Namibias, haben die VEM und ihre deutschen Mitgliedskirchen in einer Erklärung ihre Mitschuld an Kolonialismus, Rassismus und Apartheid in Namibia bekannt.

Auch Präses Nikolaus Schneider sprach in seinem Bericht an die Landessynode den Jahrestag des Beginns des antikolonialen Befreiungskriegs an. In einem Grußwort am Eröffnungsabend der Landessynode hatte der Generalsekretär der rheinischen Partnerkirche Evangelisch-Lutherische Kirche in der Republik Namibia (ELCRN), Henog Kamho, gesagt, Namibia erinnere sich um der Heilung der Wunden, der Versöhnung und des nationalen Aufbaus willen an die "Grausamkeiten der Vergangenheit". (EKiR.de, 15.1.2004)

 

Link zur Informationsseite über die Synode der  Ev. Kirche im Rheinland                                      ( Bilder und ausführliche Berichte)