Ev. Kirchengemeinden Niedereisenbach, Offenbach/Glan  u. Wiesweiler

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Übersicht: 1. Die jüdischen Bürger von Offenbach am Glan   2. Tag des offenen Denkmals 2009 auf dem jüdischen Friedhof 3.Synagogengemeinschaft


 

1. Eine Zusammenfassung einer Arbeit über die Geschichte der Juden in Offenbach/Glan:

Die jüdischen Bürger von Offenbach am Glan

von Herrn G. Voss, Hauptstr. 17a, 67749 Offenbach-Hundheim

1548 wurde zum ersten Mal ein jüdischer Bürger von  Offenbach urkundlich erwähnt. Vermutlich gab es aber schon davor Juden in Offenbach. Um 1800 soll es im Landkreis nur 300 Juden gegeben haben. Davon wohnten allein in Offenbach einhundert. Nach einem Verzeichnis von 1835 arbeiteten sie fast alle als Handelsmänner von Vieh und landwirtschaftlichen Produkten oder Mäkler sowie einer als Lehrer und zwei als Metzger sowie vier Mägde und zwei Knechte.

1791 erlangten sie die vollen bürgerlichen Rechte. Eine vergleichbare Besteuerung erreichten sie in Offenbach erst durch einen Prozess 1806. Im Rahmen der Auseinandersetzung schrieb der damalige Bürgermeister: „Es ist... schade, dass die Gesetze der Republik, da sie die Hebräische Glaubensgenossen zu wirklichen Bürgern des Staates aufgenommen haben, ihnen nicht auch zugleich jene Gesinnungen mittheilen konnten, die den wahren Bürger eigenlicht karakterisieren. Sie (die Juden) wollen die Herrn seyn, die übrige aber als Knechte für sich arbeiten lassen“

Im Laufe des 19. Jahrhunderts fügten sich die jüdischen Bürger gut in das Dorfleben ein.

1832 konnten sie eine eigene Synagoge errichten, an die auch ein jüdisches Schulhaus mit Stall anschloss. Im klassizistischen Stil errichtet, befanden sich im Innenraum  rechts und links durch einen Mittelgang getrennt die Sitzbänke für die Gläubigen. Dem Eingang gegenüber befand sich ein blauer Samtvorhang, der sich hinter einer Balustrade befand und den Thoraschrein an der rückwärtigen Ostwand der Synagoge verdeckte. Auf Höhe der Rundbögen befand sich eine Empore, die vom Schulhaus aus zugänglich war

1936 wurde die Synagoge regulär an die Ortsgemeinde verkauft. Die Zahl der Juden war so stark gesunken, dass sich immer seltener die vorgeschriebene Zahl von 10 Männern zum Gottesdienst einfand. 1955 wurde sie abgerissen. Fast genau auf ihrem Grundriss befindet sich jetzt das Gemeindehaus am Markplatz.

Durch Auswanderung und Landflucht sank ihre Zahl von 106 im Jahr 1843 auf 32 im Jahr 1900. Über die Verirrungen der sog. Reichskristallnacht vermerkt die Offenbacher Chronik am 9.11.1938 folgendes: „Das in Offenbach vertretene Judentum erhielt eine gründliche Abfuhr! Ein großer Entrüstungssturm ging durch die deutschen Lande... Das deutsch Volk antwortete. Auch das hier in Offenbach vertretene Hebräertum hat das Geschick ereilt. Die Judenfamilien Roos Leo, Roos Alfred und Heymann haben die Quittung erhalten. Die Männer dieser Verbrechergilde wurden in Schutzhaft genommen. Ihre Wohnungen hat man demoliert. Endlich ... Es kam der Tag der Rache!“

Viele Offenbacher Juden konnten glücklicherweise rechtzeitig in das sichere Ausland fliehen.

Von ihren Vorfahren zeugen die beiden Friedhöfe. Der alte Friedhof befindet sich mitten im Wald nordöstlich der Abteikirche 2 Kilometer vom Ortskern entfernt. Auf ihm wurde den Juden der Umgebung etwa von 1600 bis 1890 bestattet. Der „neue“ Friedhof befindet sich näher am Ortskern in der „Siedlung“ und wurde ab 1887 belegt.  

Jüd. Friedhof

Der "neue" jüdische Friedhof im Ortsbereich

 

Grabstein Grabstein auf dem alten jüd. Friedhof 

Die meisten Juden siedelten vormals in der „Judengasse“ (dem Stück der Brückenstraße von der Hauptstraße bis zum Glan). Viele Häuser gehörte ihnen, etwa das Haus Klosterstraße 1 von Albert Roos. In der Reichskristallnacht stoppte hier ein Offenbacher Bürger die NSKK-Leute, die gerade sein Mobiliar aus den Fenster warfen. Beeindruckt von seinem Mut ließen sie von dem Viehhändler und seiner 96 Jahre alten Mutter ab.

Das Haus in der Hauptstraße 28 gehörte dem Vieh- und Fruchthändler Herz, der als wohlhabend galt und sich als erster Offenbacher ein Auto leisten konnte. Seine Familie reiste über Italien nach Amerika aus.

Heute lebt keiner jüdischer Mitbürger  mehr in Offenbach.


2. Bilder von der Führung zum Tag des offenen Denkmals am 13. September 2009:

 

                           Oberer Eingang  (Pfosten von Efeu überwuchert)

                                      Reste der alten Friedhofsmauer

 

Ältere Grabsteine aus dem oberen Abschnitt

          Unterer Teil des mittleren Friedhofsbereiches

       Grabsteine aus dem mittleren Teil

Literatur zum Friedhof (Weblink):  Der alte jüdische Friedhof in Offenbach am Glan   

(Eine Beschreibung von Udo Stemler-Schillo, dem Referenten dieser Führung.)

 

 

3. Auszug aus dem Statut für die Synagogengemeinde zu Offenbach am Glan ( Quelle: Gemeindearchiv Ortsbürgermeister H. Hahn )

Statut für die Synagogengemeinde

 

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Zusammengestellt  von: K.- W. Augenstein, Hauptstr.74, 67749 Offenbach-Hundheim,  e-Mail

Stand: 14. September 2009